Eingelebt

Mittlerweile befinde ich mich schon seit über zwei Wochen in Irland, fühle mich hier sehr wohl und würde sagen, dass ich mich hier eingelebt habe. Teilweise kann ich mir das Leben in Deutschland auch gar nicht mehr richtig vorstellen.

An gewisse Dinge gewöhnt man sich mit der Zeit, wie zum Beispiel die Höflichkeit der Menschen in Cork – laut einem Kunstwerk an einer Mauer nicht weit von meiner WG ist Cork auch die Friendliest City In Europe. So ist es hier unter anderem eine ganz normale Erscheinung, wenn Fußgänger sich bei mir als Fahrradfahrer dafür entschuldigen, dass sie in der Mitte des Fußwegs laufen und ich nicht vorbei komme. In Fairness muss man aber auch sagen, dass es nur kaum Fahrradwege gibt und die Straßen auch oft Einbahnstraßen sind, so dass man als Fahrradfahrer kaum eine Wahl hat, als auch auf dem Fußweg zu fahren.

Eine weitere Sache, an die ich mich gewöhnt habe, sind die Ampelschaltungen. Fußgängerampeln brauchen wirklich Stunden (hier liegt vielleicht eine minimale Übertreibung vor), um grün zu werden, darum wartet man dort auch nicht drauf. Nur wenn wirklich viel Verkehr herrscht, muss man die Zeit am Straßenrand ausharren, aber sonst wird die Fahrbahn überquert, wenn gerade mal kein Auto kommt. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich genug an den Linksverkehr gewöhnt habe, um mich dort sicher zu fühlen, doch auch das geht mittlerweile. Nur letztens wollte ich noch an der Straße warten, als ich einen Vater mit seinem Sohn gegenüber gesehen habe, bis ich feststellte, dass selbst die einfach die Straße überqueren.

Eine Sache, an der ich noch ein bisschen arbeiten muss, ist mein Empfinden von Pünktlichkeit. Jeden Morgen bricht in mir aufs neue kurz die ‚Ich muss mich beeilen, sonst bin ich zu spät‘ Panik auf, bis ich mich daran erinnere, dass ich nicht in Deutschland bin und es ganz normal ist, mal bis zu fünf Minuten später anzukommen.

Auch die Sprache bereitet mir manchmal noch Schwierigkeiten. Die Corkonians haben ihren ganz eigenen Dialekt, so dass ‚sorry?‚ vermutlich mein meistgesagtes Wort ist. Zu dem Dialekt gehört es auch, dass das th meistens wie ein normales t ausgesprochen wird (aus three wird also tree), und aus Wörtern wie first wird zum Beispiel forst. Aber auch daran gewöhne ich mich langsam und lerne es mir zum Schreck von vermutlich jedem Englischlehrer in Deutschland auch an, aus dem th ein t zu machen – ich konnte es eh nie wirklich aussprechen, und man muss sich ja auch irgendwie an die Landeskultur anpassen 😉

Ich arbeite von Montag bis Freitag von halb zehn (was hier als half nine bezeichnet wird ) bis um fünf, kann aber meistens früher gehen. Die Abende verbringe ich meistens mit Lea, Netflix oder lesen (oder einem Mix). Am Donnerstag kam noch ein weiterer Deutscher Freiwilliger an, den wir beide schon kennen, so dass wir an dem Abend zusammen in der Stadt waren, sonst sind wir auch manchmal noch einkaufen.

Richtige Aktivitäten unternehmen wir aber nur am Wochenende. Letzten Samstag waren beispielhaft zuerst bei einer Fotoausstellung rund um Corks Vergangenheit, die für uns natürlich auch sehr interessant war, da wir mehr über die Stadt gelernt haben.

Auf einem Weg am River Lee entlang entdeckten wir auch eine Kunstaktion bezüglich des Klimawandels, wo entlang einer langer Baustellenabsperrungen dazu verschiedene Gedanken verbildlicht wurden.

Anschließend aßen wir Mittag im veganen Café gegenüber, guckten uns den Biomarkt an und gingen weiter zur Saint Fin Barre’s Cathedral.

Diese riesige Kirche ist sehr imposant, würde nur leider auch 5€ Eintritt kosten, wenn man reingehen würde – das Geld ist es einem als Freiwilliger natürlich nicht wert. So gingen wir lieber in den Stadtpark und von dort aus dann am Nachmittag zurück nach Hause – und dass ich die WG in Irland so bezeichne, sagt ja auch schon aus, dass ich hier wirklich angekommen bin.

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