Arbeitsalltag, Ausflüge und neue Freiwillige

Nun bin ich schon fast einen Monat in Cork und fühle mich hier immer noch sehr wohl – mir wurde schon öfters bewusst, dass ich hiermit genau die richtige Entscheidung getroffen habe. Die Arbeit macht mir Spaß, ist lehrreich und ich habe sehr nette Kollegen; und auch in der Freizeit wird man durch ein Netz von Freiwilligen immer gut unterstützt und ist nie alleine.

Die Arbeit macht mir viel Spaß. Manchmal hängt sie wohl immer noch ein bisschen Papierarbeit zusammen, aber das gehört halt dazu. Meistens bin ich viel unterwegs – entweder bei Activities wie z.B. Bowling oder Reiten, aber meistens gehe ich auch morgens in die Stadt, um z.B. Gutscheine für verschiedene Läden zu kaufen, die dann später bei Killerpool oder auch beim Bingo spielen gewonnen werden können. Vor allem der Teil, dass ich nicht nur im Büro herum sitzte, gefällt mir sehr gut. Zudem finde ich den sozialen Aspekt meiner Arbeit super und habe das Gefühl, mittlerweile Obdachlosigkeit viel besser zu verstehen. Manche Residents möchten natürlich nicht an Aktivitäten teilnehmen, andere können es aufgrund von einem extremen Drogenkonsum und damit zusammen hängenden körperlichen Fähigkeiten nicht immer, aber mit manchen hatte ich auch schon während der Unternehmungen sehr tiefgründige Gespräche über ihr Leben und ihre Erfahrungen mit Obdachlosigkeit. Ich bin sehr froh über alles, was ich hier lerne und obwohl ich zu dem Typen Mensch gehörte, der immer mit dem Schulsystem gut klar kam und auch dort gerne Dinge gelernt hat (das Fach Mathe lasse ich hier einfach mal außen vor…), bevorzuge ich es doch bei weitem, mir hier das Wissen in der Praxis anzueignen.

Im Gegensatz zu den ersten zwei Wochen sind Lea und ich nun nicht mehr die einzigen neuen Freiwilligen hier. Vor ca. zwei Wochen kam ein weiterer Deutscher an, den wir auch schon auf einem Vorbereitungsseminar kennengelernt haben, seine Erfahrungen sind auch auf seinem eigenen Blog nachzulesen. Er lebt etwas Abseits von Cork in dem Ort Douglas, wo auch zwei Tage nach ihm eine Italienerin einzog. Seit Sonntag lebt in meinem Haus noch ein Spanier, und gerade warten wir auf die Ankunft eines anderen Deutschen, der jeden Moment eintreffen könnte. Zudem kommen in den nächsten beiden Tagen auch noch zwei weitere Deutsche Mädchen an, aber sie werden in einem anderen Freiwilligenhaus wohnen.

Sehr interessant ist es dabei, die kulturellen Unterschiede festzustellen. Der Spanier ist in seinem Leben z.B. nur sehr selten Fahrrad gefahren, weshalb ein gestriger Ausflug zu einem Park ein bisschen Abseits von der Innenstadt zu einem Abenteuer wurde, welches eine abgefallene Bremse und mehrere Kettenreperaturen beinhaltet. Am Ende haben wir es aber alle wohlbehalten zurück geschafft und vor allem Lea und ich haben uns sehr darüber gefreut, endlich mal wieder aus der Stadt heraus zu kommen und die Landschaft zu sehen. Es mag wohl sehr albern klingen, aber als wir die ersten grünen Hügel hinter den Häuern sahen und die ersten Bäume wieder neben uns waren, empfand zumindest ich eine große Euphorie.

Auch für Lea und mich als Fahrraderfahrene Menschen war der Ausflug aber relativ interessant. Dass es kaum Radwege in Irland gibt, habe ich ja schön öfters erwähnt. Meistens muss man darum auf der Straße fahren, aber teilweise ist Cork so bergig, dass man den gesamten Verkehr stopen würde. Darum fährt man dann auf der linken Seite auf dem Fußweg und muss sich an Fußgängern und Mülltonnen vorbei zwängen, obwohl zumindest die Fußgänger sich aber auch bemühen Platz zu machen – und sich teilweise wirklich ernst gemeint bei mir dafür entschuldigen, das sie in der Mitte des Fußweges laufen. Teilweise waren die Wege aber sogar zu steil, so dass einem nichts anderes als Schieben übrig blieb. Auf dem Rückweg ist es uns beiden bergrunter auf einer eher verlassenen Straße sogar passiert, dass wir aus Versehen rechts gefahren sind – zum Glück haben wir aber auch beide den Fehler realisiert, bevor uns ein Auto entgegen kam.

Nachdem wir den größten Teil des Rückweges erledigt hatten, kamen uns auch noch Treppen entgegen – und nicht nur fünf Stufen oder so, sondern sicherlich an die fünfzig. Zum Glück sind unsere low-quality Fahrräder aber relativ leicht, so dass wir sie wie Handtaschen auf der Schulter transportieren konnten. Garantiert nicht mein schönsten Erlebnis, aber mittlerweile kann ich hier eigentlich alles mit Humor sehen und verliere meine gute Laune nicht schnell.

Das gehört eigentlich zu den Dingen, die ich hier in Irland gelernt habe: Es läuft alles längst nicht so geregelt wie in Deutschland ab, aber manchmal muss man einfach mal seine Angst ablegen und sich über die Erfahrung freuen, wenn man an Baustellen über dünne und wackelige Holzplanken balanciert, in einer Reitstunde, die für manche die erste im Leben ist, einen steilen Hügel hoch galoppiert oder eben auch, wenn man Fahrräder als Schultertaschen umfunktionieren muss. Und solange man nicht stirbt, hat man falls alles mal nicht ganz so gut geht auch immer eine lustige Geschichte zu erzählen – dies habe ich mir zumindest gedacht, als ich an einem meiner ersten Tage auf einem engen Holzbrett, nur durch den Fuß eines Bauarbeiters gestützt, über flüssigen Beton lief, der zum Glück ohne Spuren von hineingefallenen Menschen mittlerweile zu unserem Fußweg geworden ist.

2 Gedanken zu “Arbeitsalltag, Ausflüge und neue Freiwillige”

  1. Kira – in deinem nächsten Leben solltest du Zweiradmechanikerin werden. 🙂
    Es macht Spaß, deine Berichte zu lesen und deine Fotos und Videos anzuschauen! Fein gemacht!

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