Ein Zwischenfazit aus Irland

Da auf meinem Blog schon länger kein Beitrag erschienen ist und ich gleichzeitig viel zu viele kleinere Themen habe, von denen ich berichten könnte, folgt hier einfach – Trommelwirbel bitte – mein Zwischenfazit nach einem zu einem Achtel abgeschlossenen Auslandsaufenthalt! Wie aufregend.

Diese gelbe Regenjacke ist mein in Irland mit Abstand meist getragenes Kleidungsstück.

Als ersten Punkt beschäftige ich mich nochmal mit der Arbeit. Wie ich schon erwähnt habe und wie es dem aufmerksamen Leser sicherlich auch aufgefallen ist, ist das ein Punkt, den ich auf meinem Blog weniger beleuchte. Der Grund dafür ist, dass ich mit Menschen zusammenarbeite und über diese natürlich keine Daten online veröffentlicht werden dürfen, und da auch sonstiges Vorgehen der Simon Community natürlich alles unter den Datenschutz fällt, kann es kritisch werden, dort irgendetwas drüber zu schreiben. Aber so viel kann ich sagen: Mir macht meine Arbeit Spaß und ich finde auch insgesamt die Arbeit der Simon Community super. Vieles kann ich im Gegensatz zu den erfahreneren Mitarbeitern natürlich noch nicht selbstständig machen, aber meine Verantwortung wächst auch, so wie ich in ihr. Von Mittwoch bis Freitag habe ich auch ein Induction Training, worauf ich mich freue und wo ich hoffentlich vieles sinnvolle lerne.

Ein weiterer Punkt, der mir sehr gut gefällt, ist das eigenständige Leben. Der nächste Paragraph soll jetzt natürlich keine Kritik an meinem Eltern sein – Zwinkersmiley – , aber ich genieße es einfach sehr, für mich selbst leben zu können. Gesellschaft habe ich natürlich dadurch, dass ich in einer WG wohne – aktuell sind wir 6 Leute und haben auch meistens Besucher – aber das ist natürlich was ganz anderes, als mit seinen Eltern zusammen zu leben. Hier gibt es keinen Kommentar und es bekommt eigentlich auch keiner mit, wann man aufsteht, vegane Ernährung bekommt keine stumme Kritik und gleichzeitig kann man sich einfach mal spontan dazu entscheiden, im Haus eine Party zu haben. Obwohl natürlich auch Leute im Haus sind, erinnert es mich ein bisschen an ein sturmfrei, welches noch fast ein Jahr andauern wird. Es ist natürlich praktischer, wenn das Essen von selbst im Kühlschrank ist und die meisten Räume sich von selbst putzen, aber auch das kann ich ertragen. Nur meine Katzen hätte ich gerne wieder… Als (nicht so ganz passenden) Ersatz habe ich mir an einem meiner ersten Tage eine Zimmerpflanze gekauft, die auch schon wieder neue Knospen hat!

Sie trägt übrigens den wunderbaren Namen Bert.
Spontane Partyabende sind kein Problem mehr, wenn man in einer WG wohnt!

Nun komme ich in meinem Fazit zum Leben in der Großstadt, welches ich für mich auch Größtenteils als positiv betrachte. Ich komme aus einer Kleinstadt, die ohne Außengebiete ca. 30.000 Einwohner hat. Cork hat – die Stadterweiterung aus 2019 nicht eingerechnet – ca. 125.000 Einwohner und ist damit schon deutlich größer. Dazu kommt noch, dass Cork die zweitgrößte Stadt in Irland ist und deshalb natürlich auch viele Touristen anzieht – Französisch, Deutsch und auch verschiedene asiatische Sprachen höre ich hier regelmäßig.

Just another rainy picture from Ireland.

Mit dem Fahrrad brauche ich ungefähr 5 Minuten, bis ich in der Innenstadt bin. So sind viele Einkaufsläden wirklich nicht weit entfernt, und ich kann mir Klamotten kaufen oder auch einfach nur angucken, ohne erstmal fast 10€ für den Zug zu zahlen und dann erst noch länger Fahrrad als hier in die Innenstadt zum Bahnhof zu fahren. In einer Großstadt hat mein natürlich auch mehr Möglichkeiten, so dass ich mir z.B. gestern Pullover in einem Second Hand Laden (hier als Charity Shop bezeichnet, diese Läden bekommen alle Klamotten als Spenden und gehören einer gemeinnützigen Organisation an, die von den Gewinnen profitiert) gekauft habe.

Cork, etwas außerhalb

Auch zum Ausgehen ist das Leben in einer Großstadt super – mehr dazu in einem späteren Blogbeitrag- , da ich einfach nach einer Party mit dem Fahrrad nach Hause kann und alleine in meinem eigenen Zimmer meinen Rausch ausschlafen kann. Da alle meine Freunde in Irland auch in Cork wohnen, ist es auch nicht schwierig, sich einfach mal so tagsüber zu treffen.

Das einzige, was ich hier vermisse, ist die Ruhe und Natur. Mein Zimmer ist wohl im zweiten Stock, aber trotzdem höre ich ständig die Autos auf der Straße unterhalb. An dieser Straße wird auch gefühlt dauerhaft gearbeitet, und dies auch mitten in der Nacht – solche Lärmregelungen wie in Deutschland gibt es hier leider nicht. Auf Ausflügen komme ich wohl auch aus der Stadt hinaus und in die Natur, aber dies passiert leider nicht so oft. Dafür hat Irland durch die Lage am Meer meiner Meinung nach aber auch eine interessante Landschaft als Deutschland zu bieten.

Foto aus Crosshaven, einem Küstenort in der Nähe von Cork
Foto aus Crosshaven, auf der gegenüberliegenden Seite ist Cobh zu sehen, dazwischen liegt Spike Island, eine ehemalige Gefängsnisinsel

Eine Sache, die an Irland speziell etwas nervig ist, ist das Wetter. Insgesamt ist dieses eher mild: Die Sommer sind zu meiner Freude nie besonders warm (mein Kollege hat mal den Ausdruck 25 degree heat (25 Grad Hitze) genutzt und konnte es mir kaum glauben, dass ich diesen Sommer schon 38°C erleben musste) und im Winter gibt es leider nur sehr selten Schnee. Vor allem im Herbst gibt es sehr viel Regen. Gerade scheint die Sonne wohl mal, aber gestern hat es z.B. wie gefühlt die gesamte Woche in Strömen geregnet. Da dies hier aber normal ist, darf man sich davon nicht aufhalten lassen und muss trotzdem das Haus verlassen – auch wenn man danach das Gefühl hat, man hätte mit Klamotten kalt geduscht. Ich bin trotz nur fünf Minuten Arbeitsweg auch im Shelter (der Notunterkunft) schon komplett durchnässt angekommen und habe erstmal ein Handtuch bekommen.

Lea und ich gestern, komplett durchnässt nach einem Ausflug in die Stadt

Der Akzent hat mir auch mehr Probleme bereitet, als ich anfangs gedacht hätte. Viele Mitarbeiter waren für mich anfangs sehr schwer zu verstehen, aber auch das wurde mit der Zeit besser, so dass es mittlerweile kein großes Problem mehr darstellt. Zum Glück sind alle Menschen hier auch sehr höflich und hilfsbereit, so dass auch keiner wütend wird, wenn man was mal nicht versteht und öfters nachfragen muss.

Bestimmte Dinge habe ich mir auch selbst angeeignet: Meistens spreche ich das th mittlerweile wie ein normales t aus, sage Sachen wie „I’m grand“ (mir geht es gut) und wurde von meinem Kollegen auch schon dafür gelobt, als ich in einem ganz normalen und eher neutralen Satz das Wort fucking (verdammt/verfickt) genutzt habe. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich das schon erwähnt habe, aber die Iren nutzen viele Schimpfwörter. Sehr viele. Seeehr fucking viele.

Ich in Cobh an einem der wenigen Tage, wo es kein einziges Mal geregnet hat!

Mein Endfazit ist, dass ich mit Irland und den Simon Communities auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen habe. Natürlich ist es kein reines Paradies und nicht unrealistisch toll, aber ich bin hier auf jeden Fall glücklich und brauche auch so Dinge wie das fucking Wetter, über die ich mich aufregen kann – sonst wäre es doch langweilig 🙂

2 Gedanken zu “Ein Zwischenfazit aus Irland”

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