In der EU steht Irland bei den CO²-Emissionen pro Personen mit einem durchschnittlichen Ausstoß von 12,8 Tonnen pro Jahr an dritter Stelle – der EU-Durchschnitt liegt bei 8,8 und Deutschlands bei 12 Tonnen. Um die Klimakrise zu stoppen, muss der Durchschnitt pro Person bis spätestens 2030 bei unter 2 Tonnen liegen, die sonst folgenden Konsequenzen für meine „Zukunft“ und die aller anderen Menschen möchte ich mir nicht ausmalen. Mir ist es auf jeden Fall bewusst, dass ich zu dem hohen CO²-Ausstoß nicht beitragen kann, weshalb hier eine Guide zu einem Nachhaltigen Leben kommt.
Übrigens: Auch mein CO²-Ausstoß ist leider weder null, noch liegt er bei unter 2 Tonnen. Laut der Website Climate Hero liegt er bei 4,9 Tonnen pro Jahr. Bestimmte Faktoren wie die Beheizung und Isolierung des Hauses kann ich leider nicht beeinflussen, aber hier folgt eine Auflistung aller Sachen, auf die ich so wie auch jeder andere achten kann.
Veganismus
Wie verantwortlich der Sektor der Tierprodukte genau für die Co²-Emissionen und damit den Klimawandel ist, steht zur Debatte. Auf jeden Fall steht aber sicher, dass er einer, wenn nicht sogar der hauptverantwortliche Sektor ist: Laut dem UN Food Report von 2006 liegt die Zahl bei 18%, eine World Watch Studie aus 2009 hat die Zahl bei 51% ermittelt. Fest steht es auf jeden Fall, dass die Zahl sehr hoch ist und alle Treibhausgase der Tierindustrie höher sind als die durch alle Autos, Züge, Boote und Flugzeuge zusammen (Quelle: http://www.fao.org/3/a0701e/a0701e00.htm).
Dies kommt vor allem dadurch, dass Tiere sehr viel Platz und Pflege benötigen, und genauso ihr Futter. Somit steckt in einem Kilo Rindfleisch z.B. viel mehr Soja als in einem Kilo Tofu, weil der Kuh über ihre gesamte Lebensdauer sehr viel als Futter gegeben wird. Der Hauptgrund für die Abholzung des Regenwaldes und der diesjährigen Brände ist auch in der Kuhzucht zu finden: für sie muss viel mehr Platz gemacht werden, als bloß für die Pflanzen selbst, wenn sie vom Menschen verzehrt werden, weshalb zur Flächenschaffung viele Quadratkilometer Regenwald abgebrannt wurden – und aus diesen eher kleineren Feuern entwickelten sich dann riesige. Kuhzucht ist das größte Problem, aber auch die Aufzucht von Hühnern, Schweinen und anderen Tieren verursacht natürlich große umwelttechnische Probleme. Allen, die sich genauer darüber informieren wollen, kann ich die Doku Cowspiracy empfehlen.

Jedem, dem die Zukunft der Menschheit, der Erde und auch aller Lebewesen auf ihr wichtig ist, sollte die Antwort klar sein: Man muss seinen Konsum an Tierprodukten bis auf das mindeste beschränken, wenn nicht sogar komplett einstellen. Und dies ist eigentlich viel einfacher, als viele denken, solange man bereit ist, alte Angewohnheiten zu brechen und Veränderungen vorzunehmen.
Trotz des sehr hohen Fleischkonsumes der Iren ist es zumindest in Cork City relativ einfach, vegan zu leben. Wie in jedem Land gibt es natürlich Produkte wie Obst, Gemüse, Reis, Brot (hier muss darauf geachtet werden, dass dieses keine Buttermilch enthält) und Nudeln (können leider genau wie in Deutschland Ei enthalten) zu erwerben. Vor allem viele Hülsenfrüchte sind besonders günstig in Dosen in Supermärkten zu finden. Ein Problem ist leider, dass es in Irland auf Grund der geringen Größe des Landes nicht viele lokale Lebensmittel gibt, aber Äpfel, Kartoffeln und Pilze aus der Region sind zumindest zu dieser Jahreszeit viel zu finden.
In Irland hat mich am Anfang die große Auswahl an pflanzlicher Milch sehr positiv überrascht. Jeder Supermarkt bietet sehr viele Varianten an, obwohl die nachhaltigste von ihnen, Hafermilch, meistens mit zwischen 2 und 3€ teuer ist. Meine Lösung dazu ist ganz simpel: Selbst machen, so dass der Preis pro Liter nur noch bei ein paar Cent liegt. Hier ein Rezept: https://www.smarticular.net/hafermilch-aus-haferflocken-selber-machen-rezept/
Zu meiner ersten Überraschung ist Tofu hier in Cork nicht in jedem Supermarkt zu finden. Aldi und Lidl in Cork haben leider keins, Tesco aber schon, und das sogar in der Biovariante. Bei Tesco sind zudem auch viele vegane und vegetarische Fleischersatzprodukte zu finden, so wie veganer Käse. Veganer Jogurt kann in fast allen Geschäften erworben werden.
Die sonstige Lösung für Produkte wie z.B. Kekse ist es, auf dem Label zu kontrollieren, ob das Produkt Eier oder Milch (oder natürlich Fleisch und Fisch) enthält. Bei manchen Frühlingsrollen ist dies z.B. der Fall, aber zu meiner großen Freude gibt es diese bei Aldi auch in einer veganen und Mini-Variante.
Wer in Cork vegan Essen gehen will, hat dort auch verschiedene Möglichkeiten. In der Innenstadt gibt es zu einem das Earth Café, welches Kaffee, Kuchen, Brunch und Mittagessen anbiete – alles natürlich 100% vegan. In der Nähe zum Bahnhof befindet sich das 143 ⓥ, in dem man ähnliche Angebote wie im Earth Café findet und welches auch an manchen Tagen Abendessen anbietet. Im English Market gibt es auch den Stand My Goodness, in dem alle Angebote vegan sind. Ein Nachteil hier ist, dass es das Essen nur to-go gibt, dafür ist die Verpackung aber so wie das Besteck zu 100% kompostierbar.
In allen anderen Restaurants in der Innenstadt sind eigentlich immer vegane Angebote zu finden – zumindest Pommes gibt es überall und sind im Shelter auch mein Hauptessen, begleitet vom Beilagengemüse.
Und ob man sich das ganze leisten kann? Auf jeden Fall. Bestimmte Ersatzprodukte wie vegane Würste, veganer Joghurt und veganer Käse sind deutlich teurer als die Variante mit Tierprodukten, aber Nudeln, Reis, Tomatensoße und verschiedenes Dosengemüse eignen sich für Mahlzeiten, die deutlich günstiger sind als jegliches Fleischgericht.
Mülltrennung
In dem Punkt Mülltrennung ist Deutschland Irland leider einiges voraus. Hier wird normalerweise in drei Kategorien aufgeteilt: Recycling (Plastik & Papier), Glas und dann den Restmüll. Pfand auf Flaschen gibt es leider auch nicht, weder teilt man das Glas nach Farbe auf.

Mein größtes Problem damit ist, dass all mein kompostierbarer Müll wie z.B. Kartoffelschalen und Apfelgriebsche einfach am gleichen Ort wie Backpapier landet. Manche Haushalte haben aber auch Biomüll, und ich habe mich mit der Verantwortlichen für uns Freiwilligen letztens in Kontakt gesetzt, um zu erfragen, ob wir diesen auch haben können.
Second Hand
Bezüglich Produkte wie Klamotten ist es wichtig, nicht die fast-Fashion Industrie zu unterstützen, sondern sie am besten natürlich gar nicht oder sonst aus zweiter Hand zu kaufen, worauf ich seit meinem Umzug nach Irland achte. In Cork gibt es so viele so genannte „Charity Shops“, die gebrauchte Artikel zu einem günstigen Preis verkaufen und die Erlöse an gemeinnützige Organisationen spenden.
Die dort gespendeten Artikel kommen wohl meistens von älteren Personen und entsprechen daher nicht unbedingt meinem Geschmack, aber meistens finde ich, was ich brauche, nachdem ich ein paar Geschäfte besucht habe, und muss nicht unbedingt ein schlechtes Gewissen haben.
Palmöl
Während Rinderzucht hauptverantwortlich für die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes ist, ist Palmöl der Hauptzerstörer der Regenwälder in Indonesien.

Bei diesem Punkt muss ich zugeben, dass ich mich zuvor eigentlich nur auf Veganismus bezüglich verschiedener Produkte konzentriert habe und erst vor ein paar Wochen anfing, auch zu kontrollieren, dass meine Produkte auch kein Palmöl enthalten. Man kann wohl ganz klar Palmöl-frei leben, aber Aldi bietet z.B. keine Wraps an, die dieses pflanzliche Öl nicht enthalten. Bei Tesco gibt es wohl keine große Auswahl, aber zumindest zwei eher teurere Sorten, die Palmölfrei sind.
Sonstige Teigprodukte oder auch andere wie zum Beispiel Erdnussbutter können auch immer Palmöl enthalten und tun das leider auch oft, aber durch das Kontrollieren der Zutaten kann man eigentlich immer eine gute Alternative finden. Mein „Nutella“ erwerbe ich beispielsweise beim Quay Co-op Store in einer wohl etwas teureren, aber dafür, veganen, biologischen, palmölfreien und Fairtrade Variante.
Plastikfrei
Ein Plastikbecher braucht 50 bis 80 Jahre, bis er kompostiert ist, und jährlich sterben eine Millionen Meeresbewohner aufgrund von Plastikmüll im Ozean – im Gegensatz zum Klimakiller Tierprodukte ist die Plastikproblematik eigentlich jedem Menschen bekannt.
Optimal wäre natürlich ein Leben komplett ohne Plastik, doch dieses ist wirklich nur unter extrem erschwerten Bedingungen zu erreichen. Soweit ich weiß, gibt es in Cork leider auch keinen kompletten Zero Waste Laden, in dem verschiedene Zutaten z.B. in Glasbehälter umgefüllt werden können. Nahe der Innenstadt liegt aber der Health Store Quay Co-op, in dem es viele Bio-Produkte gibt und teilweise Produkte auch abfüllbar sind.

Reisen
Wer Cork City verlassen will und dafür das County oder auch die umliegenden Counties entdecken will, hat es mit einem Auto auf jeden Fall am einfachsten. Hier sind aber ein paar Tipps von mir mit Dingen, die man mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder gleich mit dem Fahrrad machen kann:
- Cobh: Der Fischerort liegt mit dem Fahrrad ca. eine Stunde von Cork entfernt und ist in Kombination mit einer kurzen Fährenfahrt über den River Lee bei Passage West gut zu erreichen. Bei schlechtem Wetter oder ohne Fahrrad kommt man auch mit Bus oder Zug hin. Übrigens: Wer Fahrradausflüge in Irland machen möchte, guckt am besten, dass er dafür einen Greenway findet und davon abhängig den Trip plant. Greenways sind optisch meist relativ schöne Wege, die nur für Fahrradfahrer und Fußgänger zugänglich sind. Sonst gibt es kaum Radwege, und die Straßen können für Fahrradfahrer öfters sehr gefährlich werden.

- Crosshaven: Genauso wie Cobh liegt Crosshaven im Cork Harbour in der Nähe zur Keltischen See und bietet einem schöne Aussichten auf das Wasser. Hier führt der Bus 220 und 220x für ca. 3€ pro Fahrt hin.
- Kinsale: Mit zwei Forts und einer sehr interessanten Geschichte hat Kinsale einiges zu bieten und gibt einem so wie die zwei zuvor genannten Orte auch schöne Aussichten aufs Wasser. Mein klarer Favorit zwischen den drei Orten, dafür kostet ein Day Return Ticket mit dem Bus 226 aber auch fast 15€ und mit dem Zwischenstopp am Flughafen ist man über eine Stunde unterwegs. Wer weiter in die Landschaft vorrücken will, kann von Kinsale auch in einen Bus zum Old Head of Kinsale umsteigen.

- Radtour nach Waterford: Vom Patrick’s Quay aus in Cork kann der Dublin Coach für 5€ nach Dungarvan genommen werden. Hier beginnt der 45km lange Greenway nach Waterford, der sehr schöne Aussichten und Wege anbietet. In Waterford kann für 10€ der Dublin Coach wieder zurück genommen werden. Fahrräder kann man an sich ohne Aufpreis im Bus mitnehmen und im Kofferfach verstauen, aber es kann leider nicht dafür garantiert werden, dass der Busfahrer die Räder auch akzeptiert. Alternativ gibt es viele Leihräderangebote.

- An sich gibt es von Cork City aus viele Bus- und Bahnverbindungen in die umliegenden Städte – da ich aber nicht mehr gemacht habe, kann ich dazu auch nichts schreiben 😉
Sonstige Produkte
Wer sonst nachhaltige Produkte in Cork sucht, hat damit meistens in den Health Stores Erfolg. Dort findet man viele Produkte, die Plastikfrei verkauft werden, so wie z.B. Bambuszahnbürsten. Auch andere Produkte wie Toilettenpapier gibt es dort in Umweltfreundlicher Variante – egal was man sucht, eines der verschiedenen Geschäfte hat es wahrscheinlich auf Lager.
Ich hoffe, dass dieser Blogpost zukünftigen Besuchern oder Bewohnern von Cork helfen konnte und anderen bewusst gemacht hat, wie man ein umweltfreundlicheres Leben haben kann. Ich persönlich habe die Hoffnung, dass der Mensch die Klimakrise lösen kann und dass wir es schaffen, unseren Planeten nicht zerstören, schon vor Monaten aufgegeben. Doch gleichzeitig geht es hier nicht um mich, sondern größtenteils um die Menschen in ärmeren Regionen, die vor uns privilegierten Menschen in den westlichen Ländern als erste unter der Klimakrise leiden und sterben werden, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. Darum sehe ich mich und jeden Menschen unter ähnlichen und natürlich reicheren finanziellen Lebensumständen in der Pflicht, unser bestes zu tun, um keinen Teil zu der Zerstörung unseres Planeten beizutragen. Denn meine Generation und alle Zukünftigen sind die, die die Auswirkungen unserer heuten Sturheit und Gemütlichkeit am Stärksten spüren werden.
The climate is changing, why aren’t we?